Makroumfeld
Das zweite Quartal 2026 stand im Zeichen einer deutlichen Entspannung der geopolitischen Lage. Nach den massiven Verwerfungen im ersten Quartal rückte der Konflikt im Nahen Osten zwar nicht vollständig aus dem Fokus, doch der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran sowie die schrittweise Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus reduzierten die Sorgen über eine anhaltende Energiekrise deutlich. Die Öl- und Gaspreise gaben im Quartalsverlauf spürbar nach, wodurch sich auch die Inflationssorgen etwas abschwächten. Gleichzeitig blieb das weltwirtschaftliche Wachstum verhalten. Die US-Wirtschaft zeigte sich weiterhin robust, während Europa unter einer schwachen Industrieproduktion und verhaltenem Konsum litt. In China sorgten zusätzliche fiskalische Maßnahmen für eine leichte Stabilisierung, ohne jedoch die strukturellen Probleme im Immobiliensektor nachhaltig zu lösen. Die Notenbanken, mit Ausnahme der EZB, hielten sich insgesamt zurück und signalisierten weiterhin einen datenabhängigen Kurs.
Aktienmärkte
Nach dem schwachen Jahresauftakt entwickelten sich die Aktienmärkte im zweiten Quartal überraschend positiv. Mit der Entspannung am Energiemarkt und besser als erwarteten Unternehmensgewinnen kehrte die Risikobereitschaft der Anleger zurück. Besonders die US-Börsen erreichten neue Höchststände, wobei erneut große Technologieunternehmen und KI-nahe Geschäftsmodelle die Entwicklung anführten. Gleichzeitig verbreiterte sich die Marktentwicklung etwas, da auch Industrie-, Finanz- und Infrastrukturwerte von der sinkenden Unsicherheit profitierten. Europäische Aktien konnten einen Großteil der Verluste aus dem ersten Quartal aufholen, wurden jedoch weiterhin von der schwachen Konjunktur gebremst. In den Schwellenländern blieb das Bild gemischt: Indien entwickelte sich weiterhin robust, während China trotz staatlicher Unterstützungsmaßnahmen hinter den Erwartungen zurückblieb.
Anleihen
Die Anleihemärkte entwickelten sich uneinheitlich. Mit dem Rückgang der Energiepreise gingen zwar die kurzfristigen Inflationserwartungen zurück, gleichzeitig blieb die Fed aufgrund des weiterhin soliden US-Arbeitsmarktes vorsichtig. Entsprechend verharrten die Renditen langfristiger Staatsanleihen auf erhöhtem Niveau und schwankten im Quartalsverlauf deutlich. Investment-Grade-Unternehmensanleihen profitierten von der verbesserten Marktstimmung, während High-Yield-Anleihen aufgrund der engen Risikoaufschläge nur begrenztes Kurspotenzial boten. Insgesamt blieb der Rentenmarkt von der Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs geprägt
Rohstoffe
Die Rohstoffmärkte standen ganz im Zeichen der Normalisierung. Nachdem Brent im ersten Quartal infolge der Eskalation im Nahen Osten zeitweise deutlich über 120 US-Dollar gestiegen war, gaben die Ölpreise im zweiten Quartal einen Großteil dieser Gewinne wieder ab. Mit der Wiederaufnahme der Transporte durch die Straße von Hormus entspannte sich die Versorgungslage deutlich. Gold verlor nach seinem Krisenanstieg an Dynamik, konnte sich jedoch auf hohem Niveau behaupten. Industriemetalle entwickelten sich uneinheitlich: Während Kupfer und Aluminium von der verbesserten Risikostimmung profitierten, blieb die Nachfrage aus China insgesamt verhalten.
Vorschau auf das nächste Quartal (Q3 2026):
Das dritte Quartal 2026 beginnt unter deutlich ruhigeren Vorzeichen als noch wenige Monate zuvor. Mit der Entspannung am Energiemarkt hat sich das unmittelbare Stagflationsrisiko spürbar reduziert. Gleichzeitig bleiben zahlreiche Unsicherheitsfaktoren bestehen. Die Weltwirtschaft wächst weiterhin unterdurchschnittlich, während geopolitische Risiken jederzeit wieder an Bedeutung gewinnen können. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China bleibt ungelöst, und auch die strukturellen Probleme Chinas sowie die schwache europäische Konjunktur dürften das Wachstum begrenzen.
Für die Notenbanken dürfte nun wieder stärker die klassische Abwägung zwischen Inflation und Konjunktur in den Mittelpunkt rücken. Während sich der Inflationsdruck zuletzt abgeschwächt hat, zeigen sich Arbeitsmärkte – insbesondere in den USA – weiterhin erstaunlich robust. Dadurch bleibt der Spielraum für schnelle Zinssenkungen begrenzt. Anleger werden daher jede neue Inflations- und Arbeitsmarktveröffentlichung genau verfolgen.
An den Aktienmärkten dürfte die Berichtssaison für das zweite Quartal zum wichtigsten Kurstreiber werden. Nach der starken Erholung im zweiten Quartal sind die Bewertungen insbesondere großer US-Technologieunternehmen erneut ambitioniert. Entsprechend steigen die Erwartungen an Umsatzwachstum, Margen und Investitionen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Digitalisierung. Unternehmen mit soliden Bilanzen, hoher Preissetzungsmacht und stabilen Cashflows dürften weiterhin bevorzugt werden, während hoch bewertete Wachstumsunternehmen anfällig für Enttäuschungen bleiben.
Auch an den Rohstoffmärkten dürfte die Entwicklung der Energiepreise aufmerksam verfolgt werden. Sollte die Lage im Nahen Osten stabil bleiben, könnte der Inflationsdruck weiter nachlassen. Gleichzeitig rücken Industriemetalle wieder stärker in den Fokus, da zusätzliche chinesische Konjunkturmaßnahmen die Nachfrage stützen könnten. Insgesamt dürfte das dritte Quartal stärker von Unternehmensfundamentaldaten als von geopolitischen Schlagzeilen geprägt werden.
Was bedeutet das für Investoren?
Das dritte Quartal dürfte weniger von akuten geopolitischen Krisen als vielmehr von der Frage geprägt sein, ob die wirtschaftliche Erholung ohne zusätzliche geldpolitische Unterstützung Bestand haben kann. Nach der kräftigen Markterholung im zweiten Quartal steigen die Anforderungen an die Unternehmen deutlich. Entscheidend werden nicht mehr Hoffnungen auf sinkende Energiepreise oder Zinssenkungen sein, sondern die tatsächliche Gewinnentwicklung und die Fähigkeit der Unternehmen, auch in einem Umfeld moderaten Wachstums stabile Erträge zu erzielen. Für Anleger bleiben Diversifikation, Qualitätsunternehmen und ein diszipliniertes Risikomanagement die wichtigsten Erfolgsfaktoren.
Wichtige Termine im Q3 2026:
- Zinsentscheidungen: Fed: 29. Juli / 16. September, EZB: 23. Juli / 10. September, BoE: 6. August / 17. September
- Wichtige Wirtschaftsdaten:
- US-Arbeitsmarkt: 7. August / 4. September
- US-Inflation: 12. August / 11. September
- BIP-Daten Q2: USA, Eurozone und China ab Ende Juli
Hinweis: Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
