Marktblick
Der W&L Finanzblog
Wir haben den Markt immer für Sie im Blick – und auch eine Meinung dazu. Hier veröffentlichen wir unsere Kommentare, Analysen und Einschätzungen zu aktuellen Entwicklungen am Finanzmarkt sowie unsere Empfehlungen für Anlagestrategien.
Geopolitische Härte und Präzision der Vernunft
Die Welt ist unsicher wie selten zuvor. Großmächte bauen militärische Drohkulissen auf und setzen ihre Interessen zunehmend offensiv durch. Gleichzeitig treiben Fortschritte in Physik und KI Entwicklungen voran, die immer leistungsfähiger und zugänglicher werden.
Dr. Hendrik Leber (Gründer und Geschäftsführer von ACATIS) ordnete in seinem Vortrag am 16. Juni 2026 in Schwarzach dieses Spannungsfeld ein und zeigte, wie sich daraus fundierte Investmententscheidungen ableiten lassen.
Dienstag, 16.06.2026, 18:00 Uhr
Blasen platzen nicht wegen hoher Bewertungen
Sobald die Aktienmärkte neue Höchststände erreichen, dauert es meist nicht lange, bis die ersten Warnungen vor einer Blase auftauchen. Hohe Bewertungen, starke Kursanstiege und zunehmender Optimismus werden dann häufig als Vorboten eines bevorstehenden Crashs interpretiert.
Besonders in den vergangenen Monaten ist diese Diskussion wieder lauter geworden. Die starke Entwicklung vieler Technologie- und KI-Unternehmen erinnert manche Investoren an frühere Marktphasen, in denen Euphorie schließlich in Ernüchterung umschlug.
Doch bei aller Aufmerksamkeit für Bewertungen wird ein wichtiger Punkt oft übersehen: Hohe Bewertungen allein lassen eine Blase nicht platzen.
Was Anleger von einer Fussball-WM lernen können
12. Juni 2026
Alle vier Jahre beginnt rund um eine Fussball-Weltmeisterschaft dasselbe Schauspiel. Experten erstellen Favoritenlisten, Medien diskutieren mögliche Überraschungen und Fans sind überzeugt, dass sie den späteren Weltmeister bereits vor dem ersten Anpfiff kennen.
Doch die Geschichte zeigt immer wieder, dass zwischen dem Turnierfavoriten und dem tatsächlichen Sieger oft ein großer Unterschied liegt.
Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die Parallelen zwischen einer Fussball-WM und dem Investieren.
Aktien auf Rekordkurs, Anleihen im Alarmmodus
5. Juni 2026
Wer aktuell nur auf die Aktienmärkte blickt, könnte den Eindruck gewinnen, dass die Weltwirtschaft in bester Verfassung ist. Der S&P 500 bewegt sich nahe seiner Höchststände, Technologieaktien profitieren weiterhin vom KI-Boom und viele Anleger scheinen wieder deutlich optimistischer geworden zu sein.
Ein Blick auf den Anleihenmarkt zeichnet jedoch ein anderes Bild, denn seit Wochen steigen weltweit die Renditen von Staatsanleihen deutlich an. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hat sich wieder in Richtung 4,5 Prozent bewegt, langfristige US-Renditen notieren auf Niveaus, die zuletzt vor der Finanzkrise zu beobachten waren. Auch in Europa und Japan zeigt sich ein ähnliches Bild. Normalerweise wäre das keine gute Nachricht für Aktien, denn höhere Renditen bedeuten, dass sichere Alternativen attraktiver werden. Gleichzeitig sinkt der heutige Wert zukünftiger Unternehmensgewinne, was besonders wachstumsstarke Unternehmen belastet. Trotzdem bleiben die Aktienmärkte erstaunlich robust.
KI-Rallye trifft Zinsrealität
22. Mai 2026
Die Rallye bei Technologie- und KI-Aktien wird derzeit oft relativ einfach erklärt. Künstliche Intelligenz verändert Geschäftsmodelle, steigert Produktivität, eröffnet neue Märkte und entwickelt sich in vielen Branchen zum wichtigsten Wachstumstreiber.
Das ist grundsätzlich auch richtig, denn die jüngsten Unternehmenszahlen zeigen klar, dass KI längst mehr ist als nur eine Börsengeschichte. Der Ausbau von Rechenzentren, die Nachfrage nach Halbleitern, Cloud-Kapazitäten und Infrastrukturinvestitionen sind real. Viele große Technologieunternehmen investieren inzwischen Summen, die deutlich machen, wie ernst dieser Wandel genommen wird.
Trotzdem greift diese Erklärung allein zu kurz. Denn während die Aufmerksamkeit fast vollständig auf KI gerichtet ist, läuft im Hintergrund noch eine zweite Kraft mit, die deutlich unspektakulärer wirkt, für die Bewertungen an den Märkten aber mindestens genauso wichtig ist, nämlich das Zinsumfeld, denn am Ende erzählt KI zwar die große Wachstumsstory, der Preis dieser Zukunft wird jedoch über Zinsen bestimmt.
„Party like it’s 1999“ oder doch ganz anders?
13. Mai 2026
Die starke Rallye bei Technologieaktien sorgt zunehmend für Vergleiche mit der Dotcom-Blase Ende der 1990er-Jahre. KI-Euphorie, hohe Bewertungen und neue Rekordstände bei großen US-Technologieunternehmen erinnern viele Investoren an die Phase kurz vor dem Platzen der Nasdaq-Blase im Jahr 2000.
Auf den ersten Blick wirken diese Parallelen nachvollziehbar. Trotz geopolitischer Spannungen, hoher Energiepreise und eines weiterhin anspruchsvollen Zinsumfelds steigen viele Technologieaktien weiter deutlich an. Vor allem Unternehmen mit direktem Bezug zu künstlicher Intelligenz profitieren von hohen Kapitalzuflüssen und entsprechend ambitionierten Gewinnerwartungen.
„Sell in May“ und die Realität dahinter
30. April 2026
Mit dem Monatswechsel taucht eine der bekanntesten Börsenweisheiten wieder auf: „Sell in May and go away“.
Die Idee dahinter ist schnell erklärt: Die Monate von Mai bis Oktober hätten historisch schwächere Renditen als der Rest des Jahres geliefert. Tatsächlich findet sich dieser Effekt auch in langen Datenreihen wieder, zumindest im Durchschnitt.
Das Problem beginnt aber genau dort, wo aus einer Beobachtung eine Regel gemacht wird.
Geduld lässt sich nicht beschleunigen
23. April 2026
„You can’t produce a baby in one month by getting nine women pregnant.“
Das Zitat von Warren Buffett ist bewusst zugespitzt. Und genau deshalb bleibt es hängen. Es beschreibt ein Prinzip, das auch an den Kapitalmärkten immer wieder übersehen wird: Manche Prozesse lassen sich nicht beschleunigen – egal, wie groß der Druck ist.
Gerade in der aktuellen Marktphase ist diese Erkenntnis besonders relevant.
Wenn Makro den Markt dominiert
17. April 2026
„People always forget that 50% of a stock’s move is the overall market, 30% is the industry group, and then maybe 20% is the extra alpha from stock picking. And stock picking is full of macro bets.“
Dieser Satz von Stanley Druckenmiller wirkt auf den ersten Blick wie eine grobe Vereinfachung. In der aktuellen Marktphase trifft er jedoch einen zentralen Punkt erstaunlich präzise.
Denn viele Entwicklungen der letzten Wochen zeigen genau dieses Muster: Einzelne Aktien bewegen sich nicht mehr primär wegen unternehmensspezifischer Nachrichten, sondern weil größere makroökonomische Kräfte die Richtung vorgeben.
Der letzte Öltanker und warum Märkte schneller drehen als die Realität
10. April 2026
Noch vor wenigen Tagen drehte sich an den Märkten alles um die Frage, wie stark ein möglicher Ausfall der Ölversorgung durch die Straße von Hormus die Weltwirtschaft treffen könnte. Die Preise stiegen deutlich, Unsicherheit nahm zu, und viele Szenarien gingen von einer länger anhaltenden Belastung aus.
Ausgerechnet heute (10.04.) erreicht nun der letzte Öltanker Europa, der die Meerenge noch vor der Eskalation passiert hat. Ein Detail, das zeigt, wie nah die Märkte bereits an der realwirtschaftlichen Wirkung dieser Entwicklung waren.
Jetzt, nur kurze Zeit später, hat sich das Bild spürbar verändert. Die Waffenruhe hat die Lage zunächst beruhigt, und die Ölpreise sind deutlich zurückgekommen. Auf den ersten Blick wirkt es, als hätte sich das Risiko genauso schnell aufgelöst, wie es entstanden ist.
Marktrückblick 1. Quartal & Ausblick 2. Quartal
2. April 2026
Das erste Quartal 2026 war kein normales Börsenquartal. Was zunächst nach einer Fortsetzung des politischen Schlagzeilenmarkts aus 2025 aussah, kippte im März in ein neues Regime: weg von Zoll- und Bewertungsthemen, hin zu Energieversorgung, geopolitischem Risiko und Inflationssorgen. Wir ordnen ein, was das für Aktien, Anleihen und Rohstoffe bedeutet – und warum Q2 vor allem eine Frage von Öl, Inflation und Fehlertoleranz wird.
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Martina Vrbica
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