Weniger Umsatz bedeutet nicht weniger Risiko
Zwar ist die Liquidität in den Sommermonaten häufig geringer, genau das kann Kursbewegungen jedoch sogar verstärken.
Wenn weniger Marktteilnehmer aktiv sind, reichen oft schon einzelne größere Kauf- oder Verkaufsaufträge aus, um deutliche Ausschläge auszulösen. Deshalb verlaufen Sommermonate häufig nicht ruhiger, sondern schlicht mit weniger Marktbreite.
Gerade in einem Umfeld, in dem geopolitische Risiken, Notenbanken oder Konjunkturdaten jederzeit neue Impulse liefern können, bleibt das Rückschlagpotenzial bestehen.
Die Geschichte spricht gegen die Sommerruhe
Ein Blick auf die Börsengeschichte zeigt, dass einige der größten Marktbewegungen gerade in den Sommermonaten begonnen haben.
Die europäische Staatsschuldenkrise gewann im Sommer 2011 deutlich an Dynamik. Im August 2015 erschütterte die überraschende Abwertung des chinesischen Yuan die internationalen Märkte. Auch während der Corona-Pandemie gehörten die Sommermonate 2020 zu den stärksten Phasen der Erholung.
Diese Beispiele zeigen, dass Märkte keine Sommerpause kennen.
Entscheidend ist nicht der Kalender, sondern ob neue Informationen die Erwartungen der Anleger verändern.
Warum der Kalender oft überschätzt wird
An den Börsen gibt es zahlreiche bekannte Börsenregeln. Eine der bekanntesten lautet: „Sell in May and go away.“
Solche Regeln beruhen häufig auf historischen Durchschnittswerten und können interessante Muster aufzeigen. Sie eignen sich jedoch kaum als eigenständige Anlagestrategie.
Denn jeder Sommer verläuft anders.
Mal dominieren Zinserwartungen die Märkte, mal Unternehmensgewinne, geopolitische Ereignisse oder Konjunkturdaten. Wer ausschließlich auf den Kalender schaut, blendet die eigentlichen Einflussfaktoren aus.
Was bedeutet das für Anleger?
Für Investoren ist der Sommer deshalb weder automatisch eine Phase zum Verkaufen noch eine Zeit, in der man die Märkte ignorieren sollte.
Viel wichtiger ist die Frage, welche Themen die Erwartungen der Marktteilnehmer aktuell bestimmen.
In diesem Jahr bleiben vor allem die weitere Entwicklung der Inflation, die Zinspolitik der Notenbanken, die Unternehmensgewinne und geopolitische Risiken im Fokus. Gleichzeitig spielt auch die Entwicklung der KI-Investitionen weiterhin eine zentrale Rolle für die großen Technologieunternehmen.
Diese Faktoren machen keine Sommerpause.
Wer langfristig investiert, sollte deshalb nicht versuchen, seine Strategie an den Kalender anzupassen. Entscheidend bleibt vielmehr, ob das Portfolio auch dann robust aufgestellt ist, wenn die Märkte kurzfristig stärker schwanken.
Fazit
Die Vorstellung einer generellen Sommerflaute hält sich hartnäckig.
Tatsächlich gehen Handelsvolumen und Liquidität häufig zurück. Das bedeutet jedoch nicht, dass auch das Risiko sinkt oder die Märkte automatisch ruhiger werden.
Im Gegenteil: Geringere Liquidität kann Kursbewegungen sogar verstärken, wenn neue Informationen auf den Markt treffen.
Für Anleger bleibt deshalb derselbe Grundsatz wie zu jeder anderen Jahreszeit bestehen: Nicht der Kalender bestimmt die Entwicklung der Märkte, sondern Erwartungen, Fundamentaldaten und das makroökonomische Umfeld.
Hinweis: Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
