Zu viel Aktionismus nach Jahresprognosen
Kaum beginnt das neue Jahr, erscheinen zahllose Marktprognosen: Wachstumszahlen, Zinsziele, Indexstände. Viele Anleger fühlen sich gedrängt, „jetzt etwas zu tun“, um auf das neue Jahr vorbereitet zu sein.
Das Problem: Prognosen sind Meinungen – keine Handlungsanweisungen. Selbst gut begründete Einschätzungen treffen selten präzise ein. Wer sein Portfolio im Jänner aufgrund von Schlagzeilen umstellt, erhöht oft Risiko und Kosten, ohne die Erfolgsaussichten zu verbessern.
Die Lösung: Eine klare strategische Vermögensaufteilung beibehalten und Prognosen als Szenarien, nicht als Fahrplan verstehen.
Vergangenheitsrenditen in die Zukunft fortschreiben
Ein weiteres klassisches Muster: Die Gewinner des Vorjahres werden gekauft, Verlierer verkauft. Was gut gelaufen ist, fühlt sich „sicher“ an – was enttäuscht hat, wird gemieden.
Das Problem: Märkte belohnen selten rückblickende Logik. Hohe Vorjahresrenditen gehen oft mit gestiegenen Bewertungen einher, während schwächere Marktsegmente wieder attraktiver sein können.
Die Lösung: Bewertungen, Risiken und Diversifikation berücksichtigen – nicht die Rangliste des letzten Jahres.
Alles auf das neue Lieblingsthema setzen
Zu Jahresbeginn entstehen regelmäßig neue Investment-Narrative: bestimmte Regionen, Technologien oder „Megatrends“ stehen plötzlich im Fokus. Der Wunsch, früh dabei zu sein, führt oft zu einer Übergewichtung einzelner Themen.
Das Problem dabei ist zweifach: Klumpenrisiken im Portfolio & Enttäuschung, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden.
Die Lösung: Thematische Investments gezielt und dosiert einsetzen – als Beimischung, nicht als Ersatz für eine breite Vermögensstruktur.
Steuerliche Aspekte zu spät oder falsch berücksichtigen
Der Jänner ist zwar ein neues Jahr – steuerlich beginnt aber kein „leerer Raum“. Verluste, Ausschüttungen, Umschichtungen und Strukturfragen wirken oft über Jahre.
Das Problem: Viele Anleger reagieren zu kurzfristig oder treffen Entscheidungen, ohne die steuerlichen Konsequenzen ausreichend zu berücksichtigen.
Die Lösung: Steuern nicht isoliert, sondern als Teil der Gesamtstrategie betrachten – idealerweise vorausschauend und nicht reaktiv.
Emotionen mit Strategie verwechseln
Neujahrsvorsätze sind menschlich – aber keine Investmentstrategie. Nach einem starken oder schwachen Börsenjahr sind Emotionen besonders präsent: Euphorie, Enttäuschung, Angst, Ehrgeiz.
Das Problem: Diese Gefühle sind normal. Problematisch wird es, wenn sie die strategische Ausrichtung bestimmen.
Die Lösung: Zwischen kurzfristigen Emotionen und langfristigen Zielen klar trennen. Eine gute Anlagestrategie muss auch dann Bestand haben, wenn die Märkte nicht den Erwartungen entsprechen.
Rebalancing vergessen – oder übertreiben
Der Jahresbeginn ist ein sinnvoller Zeitpunkt für eine Überprüfung der Portfolio-Gewichte.
Das Problem: Häufig passiert jedoch eines von zwei Extremen – gar kein Rebalancing oder unnötig viele Umschichtungen. Beides kann schädlich sein.
Die Lösung: Diszipliniertes, regelbasiertes Rebalancing – angepasst an Risikoprofil und Marktsituation, nicht an Bauchgefühl.
Fazit
Der Jänner ist kein besonderer Monat für die Märkte – aber ein emotionaler für Anleger. Wer sich dieser Dynamik bewusst ist, kann typische Fehler vermeiden.
Langfristiger Anlageerfolg entsteht nicht durch perfekte Einstiege zum Jahresbeginn, sondern durch: klare Ziele, saubere Prozesse, konsequentes Risikomanagement, und die Fähigkeit, auch in unsicheren Phasen Ruhe zu bewahren
Gerade zu Jahresbeginn lohnt es sich daher weniger, Neues zu erfinden – sondern Bestehendes kritisch und sachlich zu überprüfen.
Hinweis: Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
