Marktrückblick 2025 & Ausblick 2026

2025 war ein politisch geprägtes Börsenjahr: Zollschock, KI-Euphorie, Renditeverschiebungen und eine starke Edelmetall-Rally. Wir ordnen ein, was das für Aktien, Anleihen und Rohstoffe bedeutet – und warum 2026 mit hohen Bewertungen wenig Fehlertoleranz lässt.

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Makroumfeld

Das Börsenjahr 2025 war turbulent und politisch getrieben. Im Zentrum stand der Handelskonflikt: Neue US-Zölle und Gegenmaßnahmen veränderten wiederholt die Rahmenbedingungen – mit direkten Folgen für Lieferketten, Preisdruck und Risikoprämien. Ein Schlüsselmoment war der 2. April („Liberation Day“) mit der Zollankündigung, die global einen Risiko-Off auslöste. Im Herbst sorgte der 43-tägige US-Government-Shutdown für Datenlücken und damit für zusätzliche Unsicherheit rund um Wachstum, Inflation und den geldpolitischen Kurs. Für Europa kam 2025 ein eigener Belastungsblock hinzu: die fortdauernde Ukrainekrise als dauerhafter Unsicherheitsfaktor (Energie, Sicherheit, Fiskalpolitik) sowie zunehmende innenpolitische Spannungen in Frankreich, die zeitweise Risikoaufschläge und Stimmung beeinflussten.

Aktienmärkte

Die Aktienmärkte waren 2025 sehr volatil – mit schnellen Stil- und Sektorwechseln. Nach dem Zollschock folgte eine kräftige Erholung, aber mit der typischen Eigenschaft politischer Rallys: fragil, weil sie stark an Erwartungen und Headlines hängt. Inhaltlich drehte sich vieles um Künstliche Intelligenz: Gewinnerwartungen, Investitionszyklen und vor allem Bewertungen. Der KI-Komplex (Halbleiter, Infrastruktur, Software) lieferte operative Belege, gleichzeitig stieg die Messlatte so stark, dass selbst gute Quartalszahlen nicht immer weitere Kursgewinne auslösten. Ab Mai wurde zudem eine Rotation sichtbar: Defensive Sektoren schnitten zeitweise klar besser ab als Zykliker und Teile der Technologie – ein Signal, dass Anleger Konzentrations- und Bewertungsrisiken wieder stärker gewichten. Regional zeigte sich das konsistent: In den USA blieb KI/Tech der zentrale Treiber, aber die starke Abhängigkeit von wenigen Mega-Caps machte die Marktbreite phasenweise dünn. Europa profitierte von geringerer Tech-Dominanz, war dafür stärker von konjunktursensitiven Branchen abhängig (Industrie/Auto/Konsum) und damit anfälliger für Wachstums- und Zollthemen. In Asien und den Schwellenländern wirkten die Bewegungen oft wie ein Hebel: Tech-lastige Märkte (z. B. Korea/Taiwan) reagierten besonders stark, sobald KI-Bewertungen und Handelspolitik Gegenwind lieferten.

Anleihen

Anleihen blieben 2025 ein Indikator für das makroökonomische Umfeld – nicht spektakulär, aber taktisch wichtig. Rund um den „Liberation-Day“-Schock stieg die Nachfrage nach sicheren Anlagen, was Staatsanleihen zeitweise stützte; im Herbst erschwerte der Shutdown die Lage, da wichtige Daten fehlten. Zudem wirkte der Druck durch steigende Staatsverschuldung und Emissionen weiterhin bremsend auf Anleiherallys. Auf Jahressicht liefen die Renditen deutlich auseinander: In Deutschland stiegen die 10-jährigen Bundrenditen um rund 50 Basispunkte, in den USA fielen 10-jährige Treasuries um rund −45 bis −50 Basispunkte, und auch UK-Gilts lagen zum Jahresende tiefer (von ~4,9% Mitte Januar auf ~4,5% Ende Dezember). Japan war der Ausreißer: Die 10-jährige JGB-Rendite stieg um knapp +1 Prozentpunkt auf rund 2,1% – grob eine Verdopplung. Die Geldpolitik lockerte sich 2025 schrittweise: Die Fed senkte im Dezember zum dritten Mal (Zielband 3,50–3,75%). Japan blieb ein Sonderfall: Steigende Renditen und ein schwacher Yen hielten Inflationsrisiken hoch und machten japanische Staatsanleihen anfälliger.

Rohstoffe

Besonders auffällig waren 2025 die Edelmetalle (besonders die Rally im Dezember). Der Goldpreis stieg um fast 70 % auf zwischenzeitlich über 4.500 USD pro Unze. Auch Silber (von USD 29 auf zeitweise über USD 80) und Platin legten stark zu (ca +150%). Kupfer stieg von USD 9.000 auf über USD 12.200, während der Ölpreis (Brent) rund 17% einbüsste.

Vorschau auf 2026

Das erste Quartal 2026 beginnt in einem Umfeld, in dem politische Entscheidungen wieder die größten Risiken – und im Fall von Deeskalation auch die größten positiven Überraschungs-potenziale – für die Märkte darstellen (z. B. Ukraine: Waffenruhe/Verhandlungsschritte, Energie- und Risikoprämien). Das liegt nicht daran, dass Wirtschaft und Geldpolitik unwichtig wären, sondern daran, dass Zölle, Sanktionen oder Budgetentscheidungen kurzfristig die Spielregeln ändern können. Deshalb wird das Quartal heikel: Märkte können normale Wirtschaftsdaten gut verarbeiten, tun sich aber schwer, wenn sich die Rahmenbedingungen plötzlich ändern.

Handel/Zölle
Der Markt ist inzwischen widerstandsfähiger, weil 2025 gezeigt hat, dass auf große Ankündigungen oft Verhandlungen, Verschiebungen oder Ausnahmen folgen. Das heißt aber nicht, dass das Thema erledigt ist. Eine neue Eskalation würde drei Bereiche treffen: die Gewinnspannen der Unternehmen (höhere Kosten), die Inflationserwartungen (Zölle wirken wie Preisschock) und das Risiko für Anleger (Planbarkeit fehlt). Das Basisszenario ist daher kein „Alles wird gut“, sondern ein zähes Auf und Ab aus Druck, Gesprächen, Teil-Deals und punktuellen Entspannungen. Für Unternehmen bedeutet das mehr Unsicherheit bei Preisen und Lieferketten, für Anleger mehr Schlagzeilen-Risiko – auch wenn die fundamentalen Daten stabil bleiben.

Wachstum vs. Inflation 
Entscheidend ist weniger, ob die Notenbanken die Zinsen senken, sondern ob die Wirtschaft eine sanfte Landung schafft. Wenn die Inflation sinkt, ohne dass der Arbeitsmarkt schwächer wird, bleibt die Wirtschaft „Goldilocks“ – also genau richtig für stabiles Wachstum und Gewinne. Überraschungen können aber schnell alles ändern: Bleibt die Inflation hartnäckig, steigen die Zinsen, schwächelt die Wirtschaft oder der Arbeitsmarkt, sinkt die Gewinnfantasie. Q1 wird daher von wenigen Datenpunkten geprägt sein – nicht weil sie alles erklären, sondern weil sie die nächste Erwartung für die Märkte bestimmen.

Marktmechanik
Nach einem starken 2025 sind die Hürden hoch, weil viele positive Erwartungen schon eingepreist sind. In diesem Umfeld reagieren Märkte asymmetrisch: Gute Nachrichten bringen oft nur wenig Auftrieb, schlechte werden stärker bestraft. Besonders betroffen sind „Story-Aktien“ und hoch bewertete Wachstumssegmente: Schon kleine Enttäuschungen bei Ausblicken, Margen oder Nachfrage können zu deutlichen Kursverlusten führen. Der Markt wird mehr auf Gewinnrevisionen achten als auf Schlagzeilen und klar zwischen Unternehmen unterscheiden, die wirklich Cashflows liefern, und solchen, die nur Geschichten erzählen.

Wichtige Termine im Q1 2026

  • Zinsentscheidungen: Fed: 28. Jan/18. März, EZB: 5. Feb/19. März, BoE: 5. Feb/19. März
  • Wichtige Wirtschaftsdaten:
    • US-Arbeitsmarkt: Jan/6. Feb/6. März
    • US-Inflation: Jan/11. Feb/11. März
    • BIP-Daten: EU: Jan/13. Feb/6. März; USA: Termin offen; China: Mitte Jan

Fazit

Unterm Strich hat 2025 gezeigt, dass Märkte politische Schocks wegstecken können – aber nur, solange Gewinne und Liquidität nicht gleichzeitig wegbrechen. Das erste Quartal 2026 wird genau das testen: Wie robust ist das Wachstum und der Arbeitsmarkt, wenn Politik der Störsender bleibt.

 

 

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