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Wie breit ist das Rekordhoch wirklich?

Der S&P 500 hat in diesem Jahr erneut Rekordstände erreicht und liegt seit Jahresbeginn deutlich im Plus. Auf den ersten Blick spricht das für einen starken US-Aktienmarkt, doch unter der Oberfläche sieht das Bild wesentlich differenzierter aus.

Der S&P 500 ist 2026 bislang um rund 14 Prozent gestiegen. Gleichzeitig liegen mehr als 40 Prozent der im Index enthaltenen Aktien seit Jahresbeginn im Minus. Die mittlere Aktie im S&P 500 kommt lediglich auf ein Plus von rund vier Prozent. Rund ein Viertel der Unternehmen liegt sogar mehr als elf Prozent im Minus. Damit zeigt sich eine Besonderheit des aktuellen Börsenjahres, denn der Index entwickelt sich deutlich besser als ein grosser Teil der Unternehmen, aus denen er besteht. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie hoch der S&P 500 steht, sondern interessanter ist, wie breit der Anstieg tatsächlich getragen wird.

Grafik eines Auges im Corporate Design von W&L Asset Management als Symbol für den Finanzblog "Marktblick"

Ein Index mit 500 Aktien ist nicht automatisch gleichmässig verteilt

Der S&P 500 enthält rund 500 der grössten börsennotierten Unternehmen der USA. Daraus könnte man zunächst ableiten, dass sich seine Entwicklung entsprechend breit auf viele verschiedene Unternehmen verteilt. So funktioniert der Index allerdings nicht, denn der S&P 500 ist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Je höher der Börsenwert eines Unternehmens ist, desto grösser ist sein Einfluss auf die Entwicklung des gesamten Index.

Ein Unternehmen mit mehreren Billionen Dollar Börsenwert bewegt den S&P 500 deshalb wesentlich stärker als ein Unternehmen, das nur einen kleinen Bruchteil davon wert ist.

Die Folge ist eine zunehmend hohe Konzentration auf wenige grosse Unternehmen.

Vor allem die grossen Technologie- und Kommunikationskonzerne haben in den vergangenen Jahren stark an Gewicht gewonnen. Der Boom rund um künstliche Intelligenz hat diese Entwicklung nochmals beschleunigt.

Damit kann eine vergleichsweise kleine Gruppe sehr grosser Unternehmen den Gesamtindex nach oben treiben, während sich ein erheblicher Teil der übrigen Aktien deutlich schwächer entwickelt.

Die Marktbreite erzählt eine andere Geschichte

Genau hier kommt die sogenannte Marktbreite ins Spiel. Sie beschreibt vereinfacht, wie viele Aktien tatsächlich an einem Aufwärtstrend teilnehmen.

Ein Markt, bei dem 400 von 500 Aktien steigen, hat eine andere Struktur als ein Markt, bei dem nur 100 Unternehmen zulegen, diese aufgrund ihrer hohen Gewichtung aber trotzdem den gesamten Index nach oben ziehen.

Aktuell spricht einiges dafür, dass die Marktbreite deutlich schwächer ist, als es die Entwicklung des S&P 500 vermuten lässt, denn mehr als 40 Prozent seiner Mitglieder liegen seit Jahresbeginn im Minus. Weniger als die Hälfte der Aktien handelt oberhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts. Zuletzt notierten sogar rund 62 Prozent der Unternehmen unterhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts.

Solche technischen Kennzahlen sagen für sich allein noch nichts darüber aus, ob der Markt unmittelbar steigen oder fallen wird. Sie zeigen aber, dass sich die positive Entwicklung des Gesamtindex derzeit nicht gleichmässig auf seine Mitglieder verteilt.

Der S&P 500 vermittelt damit ein stärkeres Bild als die durchschnittliche Aktie.

Technologie macht heute einen grossen Unterschied

Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der starken Entwicklung der grossen Technologieunternehmen. Unternehmen, die direkt oder indirekt vom Ausbau künstlicher Intelligenz profitieren, gehörten in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten Treibern des US-Aktienmarktes. Nvidia, Alphabet, Microsoft, Meta und andere grosse Technologiekonzerne haben ihre Börsenwerte massiv gesteigert und dadurch gleichzeitig immer mehr Gewicht in den grossen Aktienindizes erhalten.

Das führt zu einem selbstverstärkenden Effekt, weil steigt ein bereits sehr grosses Unternehmen weiter, erhöht sich nicht nur sein Börsenwert. Sein Einfluss auf den gesamten Index nimmt ebenfalls zu. Gerade in einem kapitalisierungsgewichteten Index wird damit die Entwicklung der grössten Unternehmen zunehmend wichtiger für das Gesamtergebnis.

Das erklärt, warum Anleger derzeit gleichzeitig zwei scheinbar widersprüchliche Beobachtungen machen können. Der S&P 500 steht nahe seinen Höchstständen, während zahlreiche einzelne Aktien deutlich darunter notieren, beides kann gleichzeitig richtig sein.

Auch das Gewinnwachstum ist stark konzentriert

Die Konzentration zeigt sich allerdings nicht nur bei den Aktienkursen, sondern auch die Unternehmensgewinne entwickeln sich sehr unterschiedlich.

Für das dritte Quartal wird beim S&P 500 derzeit ein Gewinnwachstum von rund 30,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet. Das ist auf den ersten Blick aussergewöhnlich stark. Entfernt man jedoch die sogenannten Magnificent Seven aus der Berechnung, bleiben für den Rest des Index lediglich rund fünf Prozent erwartetes Gewinnwachstum übrig.

Die grossen Technologieunternehmen treiben also nicht nur die Aktienkurse stärker als der Durchschnitt. Sie tragen derzeit auch einen überproportional grossen Teil zum Gewinnwachstum des Gesamtmarktes bei. Damit lässt sich die hohe Gewichtung dieser Unternehmen zumindest teilweise fundamental erklären.

Sie sind nicht nur deshalb gross, weil ihre Aktienkurse gestiegen sind. Viele dieser Unternehmen erwirtschaften gleichzeitig aussergewöhnlich hohe Gewinne, verfügen über starke Cashflows und profitieren von einem massiven Investitionszyklus rund um künstliche Intelligenz. Genau deshalb wäre es zu einfach, die aktuelle Konzentration lediglich als Übertreibung zu bezeichnen.

Konzentration ist nicht automatisch ein Problem

Hohe Marktkonzentration wird häufig unmittelbar als Warnsignal interpretiert. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, denn wenn einige Unternehmen wesentlich profitabler wachsen als der Rest des Marktes, ist es grundsätzlich nachvollziehbar, dass auch ihr Börsenwert stärker steigt. Die grössten Technologieunternehmen verfügen heute teilweise über Geschäftsmodelle, Margen und Cashflows, die vor einigen Jahrzehnten kaum vorstellbar gewesen wären. Ihre hohe Gewichtung ist deshalb nicht ausschliesslich das Ergebnis von Spekulation.

Problematisch wird Konzentration vielmehr dann, wenn Anleger unterschätzen, wie stark ihr Portfolio tatsächlich von wenigen Unternehmen abhängig geworden ist, denn ein Portfolio kann auf dem Papier breit diversifiziert aussehen und gleichzeitig einen erheblichen Teil seines Risikos aus denselben wenigen Aktien beziehen.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen der Anzahl der Positionen und tatsächlicher Diversifikation.

500 Unternehmen bedeuten nicht 500 gleich grosse Risiken

Wer einen ETF auf den S&P 500 kauft, investiert tatsächlich in rund 500 Unternehmen, diese Unternehmen haben aber keineswegs denselben Einfluss auf das Ergebnis, weil die grössten Positionen bewegen das Portfolio deutlich stärker als die kleinsten.

Damit kann ein Anleger gleichzeitig in hunderte Unternehmen investiert sein und trotzdem einen erheblichen Teil seines Marktrisikos über einige wenige Mega-Caps tragen. Das ist nicht grundsätzlich falsch, Anlegern sollte es aber bewusst sein, denn besonders relevant wird dieser Punkt, wenn zusätzlich noch einzelne Technologieaktien, Nasdaq-Produkte oder globale Aktienfonds gehalten werden. Viele globale Indizes sind ebenfalls stark in den grossen amerikanischen Technologiekonzernen investiert und dadurch können dieselben Unternehmen über unterschiedliche Fonds und ETFs mehrfach im Portfolio auftauchen. Die tatsächliche Konzentration kann dann höher sein, als es auf den ersten Blick erscheint.

Was passiert, wenn die grossen Gewinner schwächer werden?

Die hohe Konzentration funktioniert in beide Richtungen. Solange die grössten Unternehmen überdurchschnittlich steigen, profitieren kapitalisierungsgewichtete Indizes besonders stark. Kommt es dort zu einer Korrektur, wirkt derselbe Mechanismus jedoch umgekehrt. Genau das war in dieser Woche zeitweise zu beobachten. Zweifel an der Rentabilität der enormen KI-Investitionen sowie höhere Finanzierungskosten haben insbesondere Technologie-, Halbleiter- und andere KI-nahe Unternehmen unter Druck gebracht.

Das bedeutet nicht, dass der KI-Boom vorbei ist, es zeigt aber, wie stark Veränderungen bei einigen wenigen grossen Unternehmen inzwischen die Wahrnehmung des gesamten Marktes beeinflussen können. Je höher deren Gewicht wird, desto wichtiger werden ihre Gewinne, Investitionen und Bewertungen für den Gesamtindex.

Eine breitere Marktbewegung wäre grundsätzlich positiv

Eine Verbreiterung des Aktienmarktes müsste deshalb keineswegs bedeuten, dass die bisherigen Gewinner stark fallen. Idealerweise würde vielmehr ein anderer Prozess stattfinden. Die grossen Technologieunternehmen entwickeln sich weiterhin solide, während gleichzeitig mehr Unternehmen aus anderen Bereichen aufholen.

Industrieunternehmen, Finanzwerte, Gesundheitsunternehmen, Konsumwerte oder kleinere und mittelgrosse Unternehmen könnten dann stärker an der positiven Entwicklung teilnehmen.

Ein solcher Markt wäre breiter abgestützt und weniger stark von einzelnen Unternehmen abhängig. Für Anleger wäre das grundsätzlich positiv, denn ein Börsenaufschwung, der von vielen Unternehmen, Branchen und Geschäftsmodellen getragen wird, ist weniger abhängig davon, dass eine kleine Gruppe weiterhin aussergewöhnliche Ergebnisse liefert.

Die aktuelle Berichtssaison wird deshalb besonders interessant, weil nicht nur die Gewinne der grossen Technologiekonzerne sind wichtig. Entscheidend wird auch sein, ob sich das Gewinnwachstum zunehmend auf andere Teile des Marktes ausweitet.

Marktbreite ist kein Timing-Instrument

Trotzdem sollte aus einer schwachen Marktbreite nicht unmittelbar ein Verkaufssignal abgeleitet werden. Ein konzentrierter Markt kann lange konzentriert bleiben.

Auch in früheren Phasen wurden Aktienmärkte über längere Zeit von vergleichsweise wenigen grossen Unternehmen getragen. Solange diese Unternehmen ihre hohen Gewinnerwartungen erfüllen, kann eine solche Entwicklung durchaus anhalten.

Marktbreite eignet sich deshalb weniger dafür, den nächsten Wendepunkt vorherzusagen, sie hilft vielmehr dabei, die Qualität und Struktur einer Marktbewegung besser einzuordnen.

Ein steigender Index sagt zunächst nur aus, dass der gewichtete Durchschnitt steigt, er sagt nicht automatisch, dass die Mehrheit der enthaltenen Unternehmen ebenfalls eine starke Entwicklung zeigt. Genau diese Unterscheidung ist derzeit besonders wichtig.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Anleger bedeutet die aktuelle Entwicklung zunächst, dass ein Blick auf den Index allein nicht ausreicht. Der S&P 500 kann neue Höchststände erreichen, während gleichzeitig ein erheblicher Teil seiner Unternehmen fällt. Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie ein Portfolio tatsächlich zusammengesetzt ist.

Wie hoch ist die Gewichtung der grössten Technologieunternehmen?

Tauchen dieselben Aktien möglicherweise in mehreren Fonds und ETFs auf?

Wie stark ist das Portfolio über unterschiedliche Branchen, Regionen und Unternehmensgrössen verteilt?

Und wie abhängig ist die gesamte Entwicklung davon, dass einige wenige Unternehmen ihre aussergewöhnlich hohen Erwartungen weiterhin erfüllen?

Dabei geht es nicht darum, grosse Technologieunternehmen grundsätzlich zu meiden, denn viele von ihnen gehören zu den profitabelsten Unternehmen der Welt. Es geht vielmehr darum, Konzentration bewusst wahrzunehmen, denn Diversifikation entsteht nicht allein dadurch, möglichst viele verschiedene Wertpapiere zu besitzen.

Entscheidend ist, wie stark die einzelnen Risiken tatsächlich gewichtet sind.

Fazit

Der S&P 500 zeigt 2026 bislang eine starke Entwicklung und hat neue Rekordstände erreicht, doch unter der Oberfläche ist das Bild deutlich weniger einheitlich.

Während der Index rund 14 Prozent im Plus liegt, befindet sich mehr als jede dritte beziehungsweise inzwischen sogar mehr als 40 Prozent seiner Aktien seit Jahresbeginn im Minus. Die mittlere Aktie hat lediglich rund vier Prozent zugelegt.

Gleichzeitig konzentriert sich auch das Gewinnwachstum stark auf die grössten Technologieunternehmen. Für den gesamten S&P 500 wird im dritten Quartal ein Gewinnplus von mehr als 30 Prozent erwartet. Ohne die Magnificent Seven bleiben davon lediglich rund fünf Prozent. Das macht die aktuelle Rally nicht automatisch instabil, es zeigt aber, wie wichtig es ist, hinter die Entwicklung eines Index zu schauen.

Ein Index mit 500 Unternehmen kann sehr breit aussehen und trotzdem stark von wenigen Aktien abhängen. Für Anleger ist deshalb nicht nur entscheidend, ob der Markt steigt.

Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wer diesen Anstieg tatsächlich trägt, denn je breiter ein Aufschwung abgestützt ist, desto weniger hängt seine weitere Entwicklung davon ab, dass einige wenige Unternehmen immer wieder aussergewöhnliche Ergebnisse liefern.

Hinweis: Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

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Warum mehr verkaufte Autos nicht automatisch bessere Aktien bedeuten

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Die jüngsten Zahlen der Automobilhersteller zeigen, wie stark sich der Markt derzeit verändert.

Volkswagen hat in den ersten neun Monaten 2026 rund 5,9 Millionen Fahrzeuge verkauft und damit rund 11 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Auslieferungen gingen um 9 Prozent zurück. Gleichzeitig meldete Toyota in Europa einen neuen Absatzrekord: Toyota Motor Europe verkaufte in den ersten neun Monaten rund 936.000 Fahrzeuge und damit 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Solche Zahlen werden häufig unmittelbar als Gradmesser für den Erfolg eines Automobilherstellers herangezogen. Mehr verkaufte Autos gelten als positiv, sinkende Stückzahlen als negativ. Aus Sicht eines Anlegers greift diese Betrachtung allerdings zu kurz. Denn entscheidend ist nicht nur, wie viele Fahrzeuge ein Hersteller verkauft. Entscheidend ist vielmehr, zu welchem Preis er sie verkauft, welche Marge dabei erzielt wird, wie viel Kapital dafür eingesetzt werden muss und wie viel Cashflow am Ende tatsächlich übrig bleibt.

Gerade die Automobilindustrie zeigt derzeit sehr deutlich, warum Absatz und wirtschaftlicher Erfolg nicht dasselbe sind.

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Wenn Staatsverschuldung wieder zum Marktrisiko wird

23. Oktober 2026

Mehr als fünf Prozent Rendite mit einer französischen Staatsanleihe. Was auf den ersten Blick attraktiv erscheint, ist derzeit vor allem Ausdruck einer veränderten Risikowahrnehmung an den europäischen Anleihemärkten.

Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen ist zuletzt auf mehr als 5,1 Prozent gestiegen und erreichte damit den höchsten Stand seit 2002. Gleichzeitig rentieren vergleichbare deutsche Bundesanleihen bei rund 3,4 Prozent. Der Renditeabstand zwischen beiden Ländern ist damit auf rund 1,7 Prozentpunkte gestiegen – den höchsten Wert seit der europäischen Staatsschuldenkrise 2011. Besonders bemerkenswert ist, dass französische Staatsanleihen zeitweise sogar höhere Renditen boten als vergleichbare US-Staatsanleihen.

Damit rückt ein Thema wieder stärker in den Mittelpunkt, das während der langen Phase niedriger Zinsen deutlich weniger Beachtung fand: die Frage, wie nachhaltig Staaten ihre Verschuldung finanzieren können und welche Risikoprämie Investoren dafür verlangen.

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