Marktblick
Der W&L Finanzblog
Wir haben den Markt immer für Sie im Blick – und auch eine Meinung dazu. Hier veröffentlichen wir unsere Kommentare, Analysen und Einschätzungen zu aktuellen Entwicklungen am Finanzmarkt sowie unsere Empfehlungen für Anlagestrategien.
Warum mehr verkaufte Autos nicht automatisch bessere Aktien bedeuten
Die jüngsten Zahlen der Automobilhersteller zeigen, wie stark sich der Markt derzeit verändert.
Volkswagen hat in den ersten neun Monaten 2026 rund 5,9 Millionen Fahrzeuge verkauft und damit rund 11 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Auslieferungen gingen um 9 Prozent zurück. Gleichzeitig meldete Toyota in Europa einen neuen Absatzrekord: Toyota Motor Europe verkaufte in den ersten neun Monaten rund 936.000 Fahrzeuge und damit 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Solche Zahlen werden häufig unmittelbar als Gradmesser für den Erfolg eines Automobilherstellers herangezogen. Mehr verkaufte Autos gelten als positiv, sinkende Stückzahlen als negativ. Aus Sicht eines Anlegers greift diese Betrachtung allerdings zu kurz. Denn entscheidend ist nicht nur, wie viele Fahrzeuge ein Hersteller verkauft. Entscheidend ist vielmehr, zu welchem Preis er sie verkauft, welche Marge dabei erzielt wird, wie viel Kapital dafür eingesetzt werden muss und wie viel Cashflow am Ende tatsächlich übrig bleibt.
Gerade die Automobilindustrie zeigt derzeit sehr deutlich, warum Absatz und wirtschaftlicher Erfolg nicht dasselbe sind.
Wenn Staatsverschuldung wieder zum Marktrisiko wird
23. Oktober 2026
Mehr als fünf Prozent Rendite mit einer französischen Staatsanleihe. Was auf den ersten Blick attraktiv erscheint, ist derzeit vor allem Ausdruck einer veränderten Risikowahrnehmung an den europäischen Anleihemärkten.
Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen ist zuletzt auf mehr als 5,1 Prozent gestiegen und erreichte damit den höchsten Stand seit 2002. Gleichzeitig rentieren vergleichbare deutsche Bundesanleihen bei rund 3,4 Prozent. Der Renditeabstand zwischen beiden Ländern ist damit auf rund 1,7 Prozentpunkte gestiegen – den höchsten Wert seit der europäischen Staatsschuldenkrise 2011. Besonders bemerkenswert ist, dass französische Staatsanleihen zeitweise sogar höhere Renditen boten als vergleichbare US-Staatsanleihen.
Damit rückt ein Thema wieder stärker in den Mittelpunkt, das während der langen Phase niedriger Zinsen deutlich weniger Beachtung fand: die Frage, wie nachhaltig Staaten ihre Verschuldung finanzieren können und welche Risikoprämie Investoren dafür verlangen.
Wie breit ist das Rekordhoch wirklich?
16. Oktober 2026
Der S&P 500 hat in diesem Jahr erneut Rekordstände erreicht und liegt seit Jahresbeginn deutlich im Plus. Auf den ersten Blick spricht das für einen starken US-Aktienmarkt, doch unter der Oberfläche sieht das Bild wesentlich differenzierter aus.
Der S&P 500 ist 2026 bislang um rund 14 Prozent gestiegen. Gleichzeitig liegen mehr als 40 Prozent der im Index enthaltenen Aktien seit Jahresbeginn im Minus. Die mittlere Aktie im S&P 500 kommt lediglich auf ein Plus von rund vier Prozent. Rund ein Viertel der Unternehmen liegt sogar mehr als elf Prozent im Minus. Damit zeigt sich eine Besonderheit des aktuellen Börsenjahres, denn der Index entwickelt sich deutlich besser als ein grosser Teil der Unternehmen, aus denen er besteht. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie hoch der S&P 500 steht, sondern interessanter ist, wie breit der Anstieg tatsächlich getragen wird.
Wenn fünf Prozent plötzlich wieder attraktiv sind
9. Oktober 2026
Mehr als fünf Prozent Rendite mit einer US-Staatsanleihe. Noch vor wenigen Jahren hätte das für viele Anleger ungewöhnlich geklungen, aber inzwischen ist es Realität.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist zuletzt auf mehr als 5,3 Prozent gestiegen und erreichte zwischenzeitlich rund 5,36 Prozent. Das war der höchste Stand seit 2002. Auch bei dreissigjährigen US-Staatsanleihen liegen die Renditen inzwischen deutlich über fünf Prozent.
In Grossbritannien erreichte die Rendite dreissigjähriger Staatsanleihen sogar den höchsten Stand seit rund 28 Jahren. Damit hat sich die Ausgangslage für Anleger grundlegend verändert, denn über viele Jahre war die zentrale Frage, wie überhaupt noch eine vernünftige Rendite erzielt werden kann. Heute stellt sich zunehmend die Frage, wie viel zusätzliches Risiko ein Anleger eingehen muss, wenn vergleichsweise sichere Staatsanleihen bereits mehr als fünf Prozent Rendite bieten.
Marktupdate: Zwischenbilanz und Ausblick
6. Oktober 2026
Was das dritte Quartal geprägt hat – und warum die Fehlertoleranz der Märkte sinkt
Das dritte Quartal 2026 hat gezeigt, wie widerstandsfähig die Finanzmärkte trotz eines zunehmend anspruchsvollen Umfelds bleiben können. Steigende Energiepreise, höhere Anleiherenditen und eine erneute Straffung der Geldpolitik trafen auf robuste Unternehmensgewinne und einen anhaltenden KI-Investitionsboom. Wir ordnen ein, warum sich Aktien dennoch behaupten konnten – und weshalb im vierten Quartal vor allem Zinsen, Unternehmensgewinne und Bewertungen über den weiteren Kurs entscheiden dürften.
Die Gewinne steigen – aber wie lange noch?
2. Oktober 2026
An der Börse wird viel über Zinsen, Inflation, geopolitische Risiken und Bewertungen gesprochen. Langfristig gibt es aber einen Faktor, der für Aktien besonders wichtig ist: die Unternehmensgewinne.
Genau hier läuft es derzeit erstaunlich gut, denn die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 dürften 2026 um mehr als 35 Prozent steigen. Das wäre das stärkste Gewinnwachstum seit 2021, als die Zahlen noch stark vom wirtschaftlichen Wiederaufschwung nach der Pandemie geprägt waren. Noch zu Jahresbeginn hatten Analysten mit einem wesentlich geringeren Wachstum gerechnet.
Diese Gewinnentwicklung ist einer der wichtigsten Gründe dafür, warum sich der US-Aktienmarkt trotz höherer Zinsen, steigender Anleiherenditen und geopolitischer Unsicherheit bislang so robust gehalten hat.
Doch damit entsteht eine neue Frage: Wie lange kann dieses Gewinnwachstum noch weitergehen?
Warum Gold fällt, obwohl die Unsicherheit steigt
25. September 2026
Gold gilt traditionell als sicherer Hafen. Wenn geopolitische Risiken zunehmen, die Inflation steigt oder Anleger unsicherer werden, sollte der Goldpreis eigentlich profitieren.
Doch derzeit passiert das Gegenteil. Der Goldpreis hat in dieser Woche mehr als zwei Prozent verloren, gleichzeitig bleibt die geopolitische Unsicherheit hoch und auch die Inflationsrisiken sind keineswegs verschwunden.
Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Der Grund liegt darin, dass der Goldpreis nicht nur von Unsicherheit beeinflusst wird. Mindestens genauso wichtig sind das Zinsniveau, die Entwicklung des US-Dollars und die Frage, welche Alternativen Anleger für ihr Kapital haben. Genau dieses Zusammenspiel belastet Gold derzeit.
Die Börse korrigiert – ohne zu fallen
18. September 2026
Wenn Anleger von einer Korrektur an der Börse sprechen, ist meistens eines gemeint: Die Kurse fallen.
Doch Bewertungen können sich auch auf eine andere Art normalisieren. Die Aktienkurse bewegen sich seitwärts, während die Unternehmensgewinne weiter steigen.
Genau diese Entwicklung lässt sich derzeit am US-Aktienmarkt beobachten.
Der S&P 500 bewegt sich seit einigen Monaten unter Schwankungen weitgehend seitwärts. Gleichzeitig sind die Gewinnerwartungen der Unternehmen gestiegen. Dadurch ist das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 zuletzt auf rund 19 gefallen und liegt damit deutlich unter den Niveaus der vergangenen Monate.
Die Kurse mussten dafür nicht deutlich einbrechen. Stattdessen wachsen die Unternehmensgewinne langsam in die zuvor hohen Bewertungen hinein. Das ist eine Form der Korrektur, die an der Börse häufig weniger Aufmerksamkeit bekommt als ein Kursrückgang.
Wenn Öl und Zinsen gleichzeitig steigen
11. September 2026
An den Märkten gibt es Konstellationen, die für Anleger besonders unangenehm sind. Eine davon erleben wir gerade: Der Ölpreis steigt deutlich, gleichzeitig ziehen die Zinsen an.
Brent-Öl ist in den vergangenen Tagen über die Marke von 100 Dollar gestiegen und erreichte zeitweise mehr als 105 Dollar. Gleichzeitig hat die Europäische Zentralbank die Zinsen erneut angehoben. Der Einlagensatz liegt nun bei 2,5 Prozent. Es war bereits die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr.
Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander, die für die Finanzmärkte eine besondere Bedeutung haben. Ein höherer Ölpreis erhöht den Inflationsdruck, während höhere Zinsen die Finanzierungskosten und die Bewertungsniveaus belasten.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie hoch der Ölpreis noch steigen kann. Entscheidend ist, was daraus für Inflation, Geldpolitik und Unternehmensgewinne entsteht.
Geopolitische Härte und Präzision der Vernunft
Die Welt ist unsicher wie selten zuvor. Großmächte bauen militärische Drohkulissen auf und setzen ihre Interessen zunehmend offensiv durch. Gleichzeitig treiben Fortschritte in Physik und KI Entwicklungen voran, die immer leistungsfähiger und zugänglicher werden.
Dr. Hendrik Leber ordnete in seinem Vortrag am 16. Juni 2026 in Schwarzach dieses Spannungsfeld ein und zeigte, wie sich daraus fundierte Investmententscheidungen ableiten lassen.
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Martina Vrbica
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